Einzigartig: der Fingerabdruck

Fingerabdrücke überführen Täter

Heute gehört die Identifizierung anhand der Fingerabdrücke zum Polizeialltag und jeder von uns, der sich des Öfteren einen Krimi im Fernsehen anschaut, ist dieses Verfahren bekannt. Die Papillarleisten an den Handinnenflächen und an den Fußunterseiten verlaufen bei jedem Menschen anders, was eine eindeutige Identifizierung erlaubt. Die Wissenschaft, die sich mit diesem Sachverhalt beschäftigt, wird als Daktyloskopie bezeichnet. Im Kriminallabor spricht man vom daktyloskopischen Identitätsnachweis oder auch vom Fingerabdruckverfahren, wenn es um die Identifizierung von Straftätern geht.

Der Fingerabdruck zur Identifizierung von Straftätern – die Anfänge

Wir schreiben das Jahr 1892 – genau genommen den 29. Juni 1892. Blutüberströmt erreicht die 27-jährige Francisca Rojas am Abend dieses Tages die Polizeistation des Städtchens Necochea in Argentinien. Weinend berichtet sie den Polizeibeamten von der Ermordung ihrer Söhne. Es dauert nicht lange, bis der Fall scheinbar geklärt ist. Noch in derselben Nacht verhaftet die Polizei den Landarbeiter Pedro Ramón Velasquez, der durch die Aussage von Francisca Rojas schwer belastet wird. Bei Velasquez handelt es sich um einen Freund des Ehemanns, der getrennt von der Familie lebt.

Velasquez bestreitet allerdings trotz der belastenden Aussage von Francisca Rojas, stundenlanger Verhöre und körperlicher Folter jegliche Beteiligung an der grausamen Tat. Der Landarbeiter hat Glück im Unglück: Der verhörende Polizeiinspektor Eduardo Alvarez beginnt dem Beschuldigten zu glauben. Hilfesuchend wendet sich Alvarez an Juan Vucetich von der Polizeizentrale Buenos Aires. Juan Vucetich ist gebürtiger Kroate, der erst 1882 nach Buenos Aires ausgewandert ist und ursprünglich Ivan Vucetic hieß, seinen Namen jedoch hispanisierte.

Der 34-jährige Vucetich setzt sich seit geraumer Zeit mit einem Verfahren auseinander, dass zur Überführung von Straftätern anhand ihrer Fingerabdrücke dienen soll. Bereits Jahre zuvor hatten sich sowohl der Berliner Tierarzt Wilhelm Eber als auch der britische Kolonialbeamter William Hershel und der Cousin Charles Darwins Francis Galton vergeblich um die Entwicklung eines derartigen Verfahrens bemüht. Juan Vucetich gelingt allerdings der praktisch Nachweis, dass jeder Mensch über einzigartige Fingerabdrücke verfügt.

Vucetich reist nach Necochea und untersucht den Tatort. In der Wohnung von Francisca Rojas findet er auf einem Türholm einen blutigen Daumenabdruck des Täters. Es gelingt ihm, eindeutig nachzuweisen, dass dieser Abdruck zur Mutter der Kinder gehört. In der Folge gesteht Francisca Rojas die Morde an ihren Söhnen und wird verhaftet. Der unschuldige Velasquez kommt frei.

Vier Jahre nach diesen Ereignissen wird Vucetichs Verfahren in Argentinien als Identifizierungssystem für Straftäter eingeführt. Argentinien ist damit im Jahr 1896 das erste Land, dass Fingerabdrücke zur Identifizierung nutzt.